Meine Schultaschen-Story ?>

Meine Schultaschen-Story

Ich hatte von der ersten bis zur 10. Klasse meine Schulmappe auf dem Rücken getragen, was zu dieser Zeit noch ein Novum war. Ab ca der 5. Klasse bekamen die Schüler ihre Aktentaschen, denn der Schulranzen wurde für alle Bücher und Hefte zu klein.

Mein Vater, der Sattler und Orthopädie-Schumacher war, nähte mir zur Einschulung 1952, aus blauem Leder einen Schulranzen mit innen rosa Fallschirmseide ausgekleidet. Die Außennähte hatte er mit braunem Leder verziert und die Trägerriemen waren auch aus braunem, breiten und mit Filz unterlegtem Leder.

Ich trug den Schulranzen bis zum Ende der 4. Klasse und in den Sommerferien wurde vom Vater meine zweite Schulmappe, die Aktentasche zum Rückentragen genäht. Natürlich größer und wieder aus blauem Leder mit rosa Fallschirmseide ausgekleidet. Sie hatte 2 Großraum-Innenfächer, 1 drittes, nicht unterteiltes, großes Außenfach und darauf waren die 2 kleinen Taschenfächer genäht. Die Riemen waren ebenfalls auch mit Filz unterfüttert.

Als ich in der 7. Klasse war, wollte ich auch schon als ältere Schülerin wirken und nicht mehr mit meiner Rückentasche zur Schule gehen. Also holte ich jeden Morgen meine 1 Jahr ältere Freundin ab und tauschte im Hausflur, bevor wir uns auf den Schulweg machten, die Aktentaschen. Sie fand ja meine Mappe auf dem Rücken ganz toll. Nach dem Unterricht, vor der Schule, tauschten wir wieder zurück.

Doch es wurde die Schulmappe vom einseitigem Tragen schwerer und so wechselte ich oftmals auf dem Schulweg die Mappe von einer Hand in die andere, bis es mir zu anstrengend wurde und ich mit dem Schulmappentausch nach 1/4 Jahr aufhörte. Meine Freundin hätte es gerne noch länger gemacht.

So lief ich dann brav bis zum Schulende der 10. Klasse mit der Rücken-Schulmappe.

Erst einige Jahre später wurden die Aktentaschen-Schulmappen mit Riemen verkauft.

Ich bekam die Rücken-Schulmappe deshalb, weil meine Eltern nicht wollten, daß ich durch das meistens einseitige Tragen, der nicht leichten Schulmappe,  als junges Mädchen vielleicht dadurch eine Schiefhaltung bekommen hätte.

Nicht nur das Tragen der Schulmappe 10 Jahre lang auf dem Rücken, machte mich unverwechselbar, sondern auch meine langen, dicken Zöpfe bis zum Schulabschluß. Ich trug auch mal Affenschaukeln, einen Haarkranz oder geflochteten Dutt oder Mozart-Zopf. Pferdeschwanz und den Seitenzopf trug ich am meisten in der 9. und 10. Klasse.

7 Kommentare zu “Meine Schultaschen-Story

  1. Liebe Brigitte,

    ich trug meine Schulsachen in der geerbten Schultasche meiner Schwester zur Schule. Zur Volksschule mussten wir durch einen Wald. ca 30ig – 40ig min. gehen. Bergauf und bei jedem Wetter! Ich wohne nun ganz in der Nähe dieser Schule, die es leider schon lange nicht mehr als Schule gibt und seit kurzer Zeit auch nicht mehr als Gebäude. Sie wurde geschreddert und nur ein großer Platz, die alte Linde und das Lehrerhaus, das nun in italienischen Händen ist, erinnert mich an meine Volksschulzeit – ich fahre oft daran vorbei aufs Feld zur Arbeit.

    Zöpfe trug ich damals auch! 😉

  2. Liebe Brigitte, sind das wieder nette Erinnerungen! Mit so viel Liebe bis ins Detail hat Dir Dein Vater die Tasche verarbeitet. Ich habe auch noch einen roten Leder-Ranzen getragen, ab der 8. Klasse gab es dann eine Aktentasche.
    Lange Haare hatte ich auch, bis zum Ende der Lehre. Dann wurden sie immer kürzer.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende, herzliche Grüße von Kerstin.

  3. Ja, liebe Brigitte, es ist doch immer wieder so eine Sache mit den Eltern, die es gut mit uns meinten und dem, was auch schon zu unserer Schulzeit gerade „in“ war. Aber im Nachhinein findest du es sicher großartig, dass dir dein Vater eine so individuelle tolle Schulmappe herstellen konnte. So wie du sie schilderst, muss das ein Prachtstück gewesen sein.
    Lieben Gruß
    Elke

  4. Liebe Brigitte!
    Es war wieder schön,deine Erinnerungen zu lesen. Ich sehe die von deinem Vater gefertigte Tasche förmlich vor mir. Sie muss wirklich sehr hübsch gewesen sein.
    Und deine Eltern hatten sich natürlich zurecht Sorgen um deinen Rücken und die Haltung gemacht. Es ist eben am besten und bequemsten, Rücksäcke oder Rückenschultaschen zu tragen. Es wurden -und werden heute auch noch-, doch immer so viele Dinge mitgeschleppt.
    Inzwischen ist es sehr herbstlich bei uns. Morgens und abends schon recht frisch. Erstaunlicherweise war es am Wochenende trocken und warm, obwohl eigentlich Regen angesagt war. Ja, ja, die Wettervorhersage!! Auf nichts kann man sich mehr verlassen!
    Liebe Grüßeund einen schönen Wochenstart, Christa

  5. Ich finde das toll. Auf solch eine Schultasche ist man doch richtig stolz oder? An meine kann ich mich gar nicht mehr erinnern…

    LG aus Stetten a.H.

    Ute

  6. Liebe Brigitte,
    es ist schön, auch diese Schultaschen-Story zu lesen 🙂 . Wie ich lesen kann, hast Du ja ein bisschen gegen die Rückenschultasche rebelliert, als alle die Taschen an der Hand trugen. Aber schon die Vernunft hat Dich dazu bewogen, wieder dazu überzugehen, diese am Rücken zu tragen.
    Ich kann mich erinnern, dass ich nicht so vernünftig war 😉 , ich wollte auch so cool sein wie die anderen und habe meine Tasche mal rechts, mal links getragen – wie Du schreibst, musste man ständig wechseln, weil die Taschen schwer waren. Manchmal hat mein Rad mich dabei unterstützt, aber es war sicherlich nicht gerade gut für die Wirbelsäule.
    Ich fand es gut für die Kinder und Jugendlichen, als wieder die Rucksäcke aufkamen. Die Grundschulkinder bekamen ja sowieso bald diese leichteren Schultaschen, die auch auf dem Rücken getragen wurden. Diese Lederschultaschen waren ja trotz allem auch auf dem Rücken noch ziemlich schwer.
    Liebe Brigitte, bei uns ist es heute bedeckt und recht kühl, aber es regnet wenigstens nicht. Hier drinnen ist warm eingeheizt, so dass ich gemütlich meine Bloggerrunde drehen kann 🙂 .
    Hab eine schöne Woche, wünscht Dir Irmgard

  7. Guten Abend, liebe Brigitte 🙂

    wieder so eine schöne Erinnerung von dir .. und klar, die Eltern haben ja recht – es ist viel gesünder für den Rücken, einen Schulranzen zu tragen. Dein Ranzen war sicher sehr schön, und vor allem handgemacht, das ist toll – aber klar, dass man als Kind doch auch eine Tasche schicker findet.

    Ich mochte ihn schon ab der 6. Klasse nicht mehr 😉 bis dahin hatte ich einen beige-braunen ..nicht wirklich schick, aber bis dato war es mir egal gewesen.

    Viele der anderen Schüler ärgerten mich ohnehin immer, weil ich „zu gut war“ in der Schule, also ein Streber. Das Image wollte ich loswerden. Also besorgte ich mir zur 7. Klasse einen „coolen“ schwarzen Aktenkoffer, den ich mit allen möglichen Aufschriften und Aufklebern verzierte. Seitdem hatte ich immer nur Taschen und Koffer, aber keinen Ranzen mehr. Und Streber wurde ich dann auch nicht mehr genannt – zumal meine Noten nach und nach schlechter wurden.

    Einfach war die Schulzeit bei uns nicht .. aber an manches denke ich auch gern zurück (wobei es zugegeben in der Minderheit ist, und ich recht froh war, als ich die Schule hinter mir hatte).

    Es ist immer wieder schön, deine Erinnerungen zu lesen, und ich freu mich, daß du so viel Schönes aus deiner Kindheit und Jugend berichten kannst 🙂

    Sicherlich gab es das bei Euch noch nicht so – dass Schüler über andere herziehen, wenn diese gute Noten haben? „Mobbing“ war bei uns (auch aus anderen Gründen, wenn man z. B. nicht modern genug gekleidet war) sehr verbreitet.

    Liebe Abendgrüße zu dir,
    Ocean

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