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60 Jahre zurückgeblickt

In Rheinsberg/Hohenelse war mein Onkel Chefarzt und Operateur in der damaligen Lungenheilstsätte. Ich konnte dadurch dort, am Rande des Sanatoriumsgelände, wo mein Onkel mit seiner Familie sein Dienstdomizil, ein Einfamilienhaus hatte, meine  2-monatigen Sommerferien verbringen.(Juli-Aug)

Die Tante hatte einige Jahre ein Kinder-bzw Hausmädchen engagiert, das für ihre beiden Kinder zuständig war. Auch ich lernte das “Hausmädchen”, die junge Frau oder Frl. kennen und es war mir als 8-järiges Mädchen sehr befremdlich und ungewöhnlich, daß, wenn ich eine Frage oder Wunsch hatte, ich nicht zur Tante, sondern das Hausmädchen ansprechen sollte. Ich gewöhnte mich aber ganz schnell daran und fand sie sehr nett. Sie war auch ganz lieb zu uns Kinder. Mein Cousin ist 2 Jahre jünger und die Cousine 4 Jahre jünger zu mir.

Damals lernte ich erst mit 8 Jahren radeln und mein Cousin wollte mich nie auf seinem Kinderfahrrad üben lassen, so daß ich oftmals traurig zusah, wie er losstrampelte und ich nicht hinterher kam.Meine Tante überließ mir dann ihr Fahrrad und ich stellte es an den Zaun, kletterte auf den etwas zu hohen Sattel und stieß michmit der Hand von der Zaunlatte ab, um anzutreten. Das Auf- und Absteigen mußte ich ziemlich lange üben. Die Landkinder konnten eher radfahren, denn für sie war das wichtig für den Schulweg.

Mit dem Rad erkundete ich mit der Rheinsberger Kinderschar, den Kindern von den Angestellten der Heilstätte und meiner Cousine und Cousin, die herrliche Waldgegend.

Wir fuhren oftmals zum Baden mit dem Rad, aber liefen auch meistens nur die große Wiese vor dem Haus runter bis zur Badestelle. Ich lernte auch schwimmen und auf stoppeliger Wiese  und großem Kopfsteinpflaster, barfuß zu laufen.

Wir Kinder verstanden uns alle sehr gut, obwohl wir verschiedenen Alters waren. Meine Eltern waren auch öfters dort zur Erholung und meine Mutter wanderte dann mit uns Kindern zu einer weiter entferntenen Badestelle. Sie flocht uns allen einen Immortellen Kranz (Blume-Korbblütler, die Unsterbliche, Strohblume) und mein Cousin war ganz traurig, daß er als Junge als Letzter einen bekam.

Nach 35 Jahren führte mich zufällig mein Weg im Arbeitsleben wieder dort hin. Zu der Zeit war es ein Diabetiker- Sanatorium und ich arbeitete dort als leitende Diätassistentin.

Als ich das erste Mal, zum Vorstellungsgespräch zwecks Arbeitsantritt, von Männe mit dem Auto in die Stadt hinein fuhr, kamen sofort die Kindheitserinnerungen zurück und wir brauchten nicht suchen, wo wir hin mußten. In der Heutzeit ist daraus ein Diätsanatorium entstanden.

Das Einfamilienhaus stand und steht heute noch. Die große Wiese  vor dem Haus ist verschwunden. Ein 2-fach Reihenhaus wurde dicht daneben gebaut und der Blick zum See mit der Badestelle ist durch hohen Baumbestand nicht mehr vorhanden. Einige kleine Gärten wurden errichtet, wo zu der damaligen Zeit am Rande der Wiese nur kleine Erdbeerbeetreihen waren und Schoten wuchsen, die wir Kinder gerne rauspulten und aßen, dann darauf Wasser tranken und Bauchschmerzen bekamen. Stachelbeeren und ein bischen Kräutergarten gabs auch und Hühner im Freilaufgatter.

16 Kommentare zu “60 Jahre zurückgeblickt

  1. Hmm, jetzt machste Dich aber älter als Du bist, oder? 😉

    Ick hab ja auch erst mit 10 das Radfahren in Hohenelse gelernt, da kannst Du Dich sicher ja auch noch erinnern, wie ich ankam und auf einmal das Klapprad haben wollte.

  2. Liebe Brigitte,
    ich komme endlich mal wieder auf kleine Bloggerrunde vorbei. Zuerst bei den Gewinnern, denn Du hast das Märchenbuch gewonnen !!! 🙂
    In meinem Impressum steht meine Mailadresse. Wenn Du mir in einer Mail Deine Adresse schreibst, schicke ich das Buch jetzt aber so schnell es geht an Dich los.
    Es freut mich, dass Dich als treue Besucherin meines Blogs die Wahl getroffen hat! 🙂

    Zu Deinem Beitrag: Den habe ich wieder interessiert durchgelesen. Du hast wirklich so einiges zu erzählen – und vor allem hast Du ein sehr gutes Gedächtnis. Schön, dass Du jetzt alles aufschreibst. Meine Mutter hat auch immer so viel erzählt. Als ich ihr aber ein Buch schenkte, dass sie alles aufschreibt, sagt sie jetzt, dass sie keine rechte Lust zu schreiben hätte. Ich hätte wohl früher damit kommen sollen, dann hätte es ihr sicher auch mehr Freude gemacht. Sie hat auch noch letztes Jahr ein ganz langes Gedicht aus dem Gedächtnis aufgeschrieben, das sie in der Schule lernen musste.

    Wenn ich zurück denke, hatte ich gegen Dich eine recht langweilige Kindheit, denn ich verbrachte sie “nur” im Elternhaus. Allerdings war es auf dem Land, eine wunderschöne Natur drumherum und wir konnten als Kinder, obwohl wir natürlich mithelfen mussten, sehr frei sein.
    Ein Haus- und Kindermädchen wäre für mich auch sehr fremd gewesen. Schön, dass ihr Kinder euch so gut verstanden habt. Interessant auch, dass Du später sogar dort in der Klinik gearbeitet hast.

    Bitte melde Dich, liebe Brigitte, wegen Deiner Adresse, ja?

    Alles Liebe, Irmgard

  3. Wenn du dich als Kind dort wohl gefühlt hast, war es ja das Paradies!

    Kurze Erklärung zu meiner Art Snif zu füttern. Er ist extrem futterneidisch. Auch gegen Menschen, dass haben sie aus Spanien mit ihm gemacht. Ständig das Futter gestohlen, ihn geplagt und gequält. Als wir ihn bekommen haben, war es nicht einfach ihn zu füttern. Man konnte nicht einfach den Napf hinstellen…nee…es war ganz schön gefährlich. Denn wenn man nur eine unbedachte Bewegung gemacht hat, bestand die Gefahr, dass er einem an der Hose hing. Und da wir total offen gebaut haben, musste ich mir was einfallen lassen, denn der Hauswirtschaftsraum gehört der Katze und ist für Snif tabu, dort konnte ich ihn nicht separat füttern. Na…aber das bekommen wir jetzt auch noch hin!

    LG aus Stetten a.H.

    Ute

  4. Liebe Brigitte,
    ich habe das Radfahren auf einem Herrenfahrrad gelernt!. Da war ich noch gelenkiger, 😉 habe mein Bein unter der Stange durchgesteckt und bin ganz schräg losgetreten.
    Aber irgendwann bekam ich dann mein eigenes Fahrrad, mit dem ich oft unterwegs war.

    Liebe Grüße
    Traudi

  5. Liebe Brigitte,
    Du hast so viele schöne Erinnerungen an Deine Kindheit. An manche Dinge kann ich mich auch noch ganz genau erinnern und andere Sachen wieder hab ich total vergessen. Das Rad fahren habe ich in der ersten Klasse gelernt, wir lebten ja auch auf dem Dorf. Heut gibt es ja schon für die Kleinsten Räder mit Stützrädern dran.
    Später hatte ich dann auch ein blaues Klappfahrrad.
    Liebe Grüße von Kerstin.

  6. moin brigitte,
    zum lesen reichte es gestern noch, doch klare gedanken waren mir nicht möglich.
    schnell und richtig gehandelt hab ich gestern als bootsmann den anfall hatte, danach wie ausgelaugt.

    achja, die erinnerung!
    das fahren auf zu grossen fahrrädern im stehen, das schwimmen in jeder etwas grösseren pfütze und den etwas ungewöhnlichen umgang aus heutiger sicht mit erwachsenen.
    😉 ja – onkel und tante, das sind verwandte, die mensch am liebsten nur von hinten sieht…
    ein besonderes exemplar gab es bei uns auch :).
    lg kelly

  7. Liebe Brigitte,
    wieder eine wunderschöne Erinnerung an Deine Kindheit. Ich habe sie, wie immer mit grosser Interesse und Aufmerksamkeit gelesen.
    Schade, dass die Umgebung heutzutage ganz anders aussieht. An der ungarischen Webseite, http://www.vajma.info habe ich eine pessimistische Nachricht gelesen,- auf der Erde verschwinden jeder Minute so viele Waelder wie 35 Obreflaeche eines Fussballpltzes. Peinlich! Man vergisst, dass wir nur eine gemeinseme Umwelt haben. Der Mensch sei für die vielen Wetterkatastrophen verantwortlich. Jeder Mensch soll die verschmutzte Umwelt retten.

    Liebe Grüsse
    Katalin

  8. Liebe Brigitte,

    es war – wie jedesmal – ein Vergnügen, aus deinen Kindheitstagen lesen und an deinen Erinnerungen teilhaben zu dürfen! manchmal glaubte ich beim Lesen, dich – euch – richtig vor mir sehen zu können.

    Ein zu hohes Rad ..kommt mir so bekannt vor ..ich hatte damals eine Zeitlang das alte von meiner Mutter, und da mußte ich auch immer “tricksen”, um damit loszukommen.

    Fahren gelernt hab ich auf einem giftgrünen Kinderrad mit Stützrädern, das weiß ich noch ganz genau ..und die Aufregung, zum ersten Mal ohne die Räder und ohne gehalten werden zu fahren!

    Das Rad war für uns auch ganz wichtig (auf dem Land) wir waren eigentlich ständig damit unterwegs, auf “Abenteuersuche” 😉

    Der Spruch “kein Wasser auf Obst oder dergleichen trinken” – haben wir auch immer zu hören bekommen, aber nicht unbedingt befolgt *g*

    Viele liebe Grüsse an dich,
    Ocean

  9. Hallo Brigitte,
    es war wieder sehr schön und interessant, Deine Erinnerungen zu lesen 🙂
    Rad fahren habe ich mit Stützrädern gelernt 😉
    als die irgendwann abmontiert wurden, habe ich mich erst nicht getraut und mein Vater musste hinten festhalten. Irgendwann hat er einfach losgelassen, ohne dass ich es bemerkt habe 😉

    Liebe Grüße zu Dir
    Katinka

  10. Liebe Brigitte!
    Es ist immer wieder sehr schön und interessant, deine Erlebnisse zu lesen. Ich kann so richtig mitleben.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende, Christa

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